Zum Inhalt springen

Notfallreform: Mehr Versorgung auf dem Papier?

Ein Rettungswagen der Berufsfeuerwehr Salzgitter steht bereit, um im Notfall schnelle medizinische Hilfe zu leisten.
Bild von Augustin-Foto_J_Augustin auf Pixabay

Notfallreform: Mehr Versorgung auf dem Papier?

Die neue Notfallreform lässt uns als niedergelassene Ärzte mit erheblichen Fragezeichen zurück. Natürlich ist es sinnvoll, die 112 und die 116117 besser zu vernetzen und Patienten gezielter zu steuern. Aber benötigen wir dafür wirklich immer neue Versorgungsstrukturen? Wir erleben im Bereitschaftsdienst täglich, dass viele Beschwerden durchaus in der regulären Sprechstunde behandelt werden könnten.

Über Jahrzehnte haben wir ein Gesundheitssystem geschaffen, in dem medizinische Hilfe möglichst jederzeit verfügbar sein soll. Dass dabei zunehmend die Fähigkeit verloren geht, Beschwerden selbst einzuschätzen und auch einmal abzuwarten, sollte uns zu denken geben. Gleichzeitig wird die ambulante Versorgung durch Budgetgrenzen, steigende Kosten und zunehmenden wirtschaftlichen Druck immer schwieriger.

Für das kommende Jahr stehen weitere finanzielle Belastungen im Raum. Und ausgerechnet jetzt wird mit einer sogenannten Notfallreform der Eindruck vermittelt, medizinische Versorgung werde künftig noch umfassender und jederzeit verfügbar sein. Wie soll das funktionieren? Woher sollen die Ärzte und medizinischen Fachangestellten kommen, die diese zusätzlichen Strukturen tragen?

Man kann nicht einerseits die wirtschaftlichen Grundlagen der ambulanten Medizin schwächen und andererseits immer neue Versorgungsversprechen machen. Wir benötigen eine sinnvolle Steuerung der Patienten, mehr Eigenverantwortung und vor allem eine Stärkung der bestehenden ambulanten Versorgung, statt immer neue Erwartungen zu wecken.

Eine Reform ist nicht schon deshalb eine Verbesserung, weil wir etwas zusätzlich anbieten!

Mehr dazu: Breite Mehrheit für Reform der Notfallversorgung – Deutscher Bundestag

Weitere Beiträge